Spätestens als wir in La Fortuna angekommen waren, bemerkten wir, dass in Costa Rica alles Pura Vida ist… das Pure Leben. Pura Vida ist sowohl die Lebenseinstellung der Ticos (so nennen sich die Costa Ricaner selbst) als auch der inoffizielle Slogan des Landes. Es gibt Hotels mit dem Namen Pura Vida und unendliche Souveniers mit dem Slogan. Pura Vida ist allgegenwärtig.
Pura Vida ist aber nicht nur eine Philosophie, sondern auch eine Verabschiedung und eine Antwort auf alle möglichen Fragen (vor Allem die, die der Tico nicht richtig versteht). Wann kommt der Bus? … Heute… Pura Vida. War der Besuch im Nebelwald gut? … Pura Vida. Bis morgen… Pura Vida.
Den ganzen Tag in der Sonne sitzen und nichts tun… Pura Vida. Mit den Freunden etwas Gras rauchen… Pura Vida. Kein Bock auf arbeiten haben… Pura Vida.
Spätestens nach einer Woche durchdringt einen immer mehr das Gefühl den nächsten, der Pura Vida sagt, erwürgen zu wollen…
Nachdem wir jetzt einige Zeit Strand und Sonne hatten, wollten wir wieder etwas aktiver werden und dafür ist La Fortuna zumindest im Ansatz ein geeigneter Ort. La Fortuna liegt am Fuße des Vulkans El Arenal… von dem die Ticos nicht wussten, dass es ein Vulkan ist, bis er ausgebrochen ist. Bis heute zählt er zu den aktivsten Vulkanen der Welt.
Für einen kleinen Trek am Vulkan mussten wir leider eine geführte Tour buchen, denn mit öffentlichen Verkehrsmitteln war es nicht möglich, zum Vulkan zu kommen und mit dem Taxi war es zu teuer. Dafür hatte uns die Tour dann aber auch mehr geboten als nur einen Trek.
Mit unserem Guide und unserer Gruppe ging es also von La Fortuna los in Richtung El Arenal. Dort machten wir zuerst einen kürzeren Walk durch den Dschungel, wobei uns der Guide dies und das über den Flora und Fauna berichtete. Pausiert wurde zum Staunen und Schwimmen bei einem Wasserfall.
Anschließend ging es dann weiter zum Frog Pool, einem kleinen Tümpel, bei dem sich häufig die typischen Rotaugenfrösche des Landes aufhalten. Und auch diesmal hatten wir wieder Glück mit der Tierwelt und wir bekamen gleich zwei der Frösche zu sehen. Damit war unsere Wunschliste an die Natur Costa Ricas komplett 🙂
Danach ging es zum Sonnenuntergang auf eine kleine Aussichtsplattform. Als dann die Sonne vollständig verschwunden war fuhren wir weiter zu den heißen Quellen. Naja, war mehr ein großer Bachlauf, aber dafür nicht weniger gut. Gemeinsam setzten wir uns bei Dunkelheit in den warmen Bach, genoßen einen kleinen Cocktail und machten uns Gesichtsmasken aus Vulkangestein… Erholung pur… Pura Vida.
Für den Einstieg war der Dschungel von La Fortuna schon ganz gut, aber am nächsten Tag brachen wir wieder auf und machten uns auf den Weg nach St. Elena. Die kleine Stadt liegt nur kurz vor den Pforten des Nebelwaldes Monteverde. Da der Reisetag schon recht angebrochen war, entschlossen wir uns auf Empfehlung unseres Hosts den berühmtesten Ficus der Stadt zu besuchen… klingt komisch, ist aber so. Der Baum wächst innen hohl und bietet ein spektakuläres Bild und eine tolle Klettergelegenheit.
Am nächsten Tag hatten wir dann Glück und wir konnten mit einem Bus bis zum Eingang des Nationalparks fahren. Somit hatten wir die Gelegenheit auch ohne Guide den Nebelwald zu erkunden. Der Wald ist nur zu 3% dem Publikum zugänglich. Der Rest ist wilder, geschützter Urwald.
Wir gingen also den Tag über verschiedene Wanderwege, genossen die Natur und Stille. Wildlife konnten wir vor allem in gefiederter Form entdecken… Bis auf einen kleinen Nasenbären, der uns kurz vor der Rückfahrt auf dem Parkplatz besuchen kam.
Tags darauf war dann der Nationalfeiertag von Costa Rica. Traditionell wird ein Straßenumzug veranstaltet und jede Gruppierung der Stadt (Schulklassen, Vereine, Polizei, etc.) nimmt daran Teil. Schon die Tage davor hatten wir häufiger Trommelmusik vernommen und Schulklassen beim Üben gesehen. Heute war es dann soweit. Da irgendwie niemand wusste, wann es denn so etwa anfängt… Pura Vida… warteten wir zwei Stunden am Straßenrand bis es endlich los ging. Knapp zwei Stunden lang zog der Festumzug an uns vorbei, hielt immer wieder an und zeigte seine einstudierten Shows.
Nachdem sich später der ganze Trubel gelegt hatte, folgte der nächste Höhepunkt auf unserer Reise. Im Internet hatten wir… und damit meine ich Danni… von einem Cafè gelesen, bei dem es ganz viele Kolibris geben sollte. Zu unserem „Pech“ war das Cafè genau neben dem Nationalpark Monteverde. Wir schnappten uns also den nächsten Bus und fuhren wieder zum Nationalpark. Dort angekommen waren es wirklich nur noch ein paar Meter, bis wir das Café Colibri (passender Name) erreichten. Zu unserer großen Freude waren die Berichte im Internet alle korrekt und der Name wirklich Programm. Hunderte Kolibris umschwirrten das Café und tranken immer wieder von den aufgehängten Futterspendern. Mit zwei frischgepressten Säften setzten wir uns auf eine Bank und genossen das Spektakel.