Nach einem etwas längerem Fahrtag kamen wir schließlich am Nachmittag in Rio Gallegos an. Das diese Stadt nicht auf den großen Touristenansturm ausgelegt war, sahen wir sofort. Das ganze Stadtbild machte einen etwas schäbigen Eindruck und vielerorts lag Müll auf den Straßen herum. Alte verrostete Autokarossen an den Straßenrändern waren fast so heufig wie leere Bierflaschen…
…wir fühlten uns also gleich heimisch 😀 … begleitet vom stark pfeifenden Wind nutzen wir den Rest des Fahrtages, um von unserer Unterkunft zu einem Cafe mit WiFi zu laufen, dort zu bloggen und uns dann noch die „Uferpromenade“ anzusehen… was bei dem Wind schwerer war, als es klingt. Auf dem Rückweg besorgten wir uns dann noch Wein und Pizza und machten uns einen gemütlichen Abend im Bett.
Da Rio Rallegos ganz offensichtlich keine Touristenstadt war und sie auch ferab der üblichen Patagonien Routen lag, war es wenig verwunderlich, dass unser eigentliches angepeiltes Ziel noch über 100km weit weg war.
Am nächsten Morgen machten wir uns als mit J.J. Tango zusammen auf den Weg nach Süden. Zuerst ging es über den Highway 3 20km nach Süden und dann nach links für 110km auf die RP 1… der Weg klang einfach und schnell… wie sich aber herausstellen sollte, verbirgt sich hinter dem Begriff RP 1 wohl eine über 100km lange Schotterpiste mit tiefen Schlaglöchern… wir hatten jede menge Spaß und berechtigte Angst um J.J.
An unserem Ziel Cape Virgines angekommen, war es also wenig verwunderlich, dass außer uns quasi niemand da war. Auch unterwegs haben wir außer Nandus und Schafen fast niemanden entdecken können. Nur die Rangerstation war erstaunlicherweise besetzt.
Den Rest des Weges wurden wir dann von einem Ranger begleitet. Zuerst fuhren wir hinter ihm her zum Parkplatz und dann führte er uns zu Fuß zu einer der größten Pinguin-Kolonien in Patagonien. Über 20.000 Magellan Pinguine leben hier dicht beisammen auf einem kleinen Areal.
Der Magellan Pinguin wird bis zu ungefähr 40 cm groß und wiegt ca. 3 – 5 kg. Er lebt nur in Süd-Argentinien und Süd-Chile und kann 10 bis 15 Jahre alt werden. Zu unserem Glück legt der Magellan Pinguin seine zwei Eier im Oktober und die Jungtiere schlüpfen dann mitte November im Abstand von 3 – 4 Tagen… Wir hatten also das große Glück genau kurz nach der Schlüpfzeit die Kolonie zu besuchen und wir konnten wirklich in den meisten Nestern Jungtiere an und unter ihren Eltern entdecken.
Nach einer ausgibigen Besichtigungsrunde durch das Gebiet machten wir uns dann langsam wieder auf dem Heimweg nach Rio Gallegos… der Weg zu den Pinguin war zwar lang und sehr anstregend zu fahren, aber definitv mehr als lohnenswert.
Am nächsten Morgen brachen wir dann wieder früh aus Rio Gallegos auf, denn wir hatten wieder einen längeren Fahrtag vor uns und wollten zusätzlich auch noch etwas wandern. Wir brausten also los nach Süden und erreichten ca. eine Stunde später die Grenze nach Chile… Was wir etwas komisch fanden, weil wir ja eigentlich erst hätten aus Argentinien ausreisen müssen, aber naja… nach etwas Verwirrspiel, dumm Rumgestehe und Rumfragen hatten wir dann den Grenzübergang erfolgreich gemeistert… mussten aber unsere Salami an der Grenze opfern.
Kurze Zeit später erreichten wir dann unser Ausflugsziel für den Tag, den Nationalpark Pali Aike. Im Internet hatten wir gelesen (ok, Danni hatte es gelesen…), dass es hier einige schöne, nicht zu lange Wanderpfade durch das ehemalige Vulkangebiet geben sollte.
Wir fuhren also mit dem Auto in den Nationalpark uns steuerten als erstes die Laguna Ana an. Der Wind bließ uns so stark um die Ohren, dass ich Probleme hatte, meine Tür auf zu bekommen und auszusteigen. Entsprechend entspannt war dann auch die kurze Wanderung zu der Lagune.
Weiter ging es dann mit dem Auto einmal quer durch den Park zur Cueva Pali Aike. In dem Vulkankrater mit angrenzender Höhle haben einmal angeblich die ersten Ureinwohner Patagoniens gelebt, wie Knochenfunde beweisen. Hier wurden ebenfalls die Knochen von einem Melodon gefunden.
Zum Abschluss machten wir dann noch eine etwas längere Wanderung zu den Kratern Morada del Diablo und Pozos Del Diablo. Über getrocknetes Vulkangestein ging es zu den beiden inaktiven Vulkankratern. Aber nicht nur der Untergrund sondern auch der immer noch extrem starke Wind machten die Wanderung zu einem wahren Kraftakt und wir waren froh, nach 2,5 Stunden wieder das rettende Auto zu erreichen.
Auf dem Weg zurück zum Eingang sahen wir dann noch ein neugeborenes Guanaco, das nur wenige Momente vorher geboren worden sein musste. Das kleine Guanaco stand noch auf sehr wackeligen Beinen und machte seine ersten Gehversuche. Ein Ranger, der die ganze Situation beobachtete, war auch noch vor Ort…
Am Eingang wurden wir dann von einer Kanadierin gestoppt, die wir dann schlussendlich mal wieder als Anhalterin mit nach Punta Arenas nahmen. So endete dann ein langer Tag am Abend erneut in Punta Arenas, in J. J.’s Heimat.