Onkel Titus und wir zwei beide begaben uns des späten Nachmittags auf den Highway… pünktlich zur Rushhour. Es ging also erst mal garnichts mehr. Und obwohl es auf den Autobahnen in den USA häufig fünf oder mehr Spuren gibt, wovon eine nur für Fahrgemeinschaften (sprich für Autos mir zwei oder mehr Insassen) reserviert ist, ging es weder vor noch zurück. Welch ein Glück, dass wir ausgerechnet an diesem Tag ein Hotel reserviert hatten, bei dem man spätestens um 20 Uhr einchecken durfte.
Da die geschätzte Ankunftszeit des Navis langsam aber sicher auf die 21 Uhr zusteuerte, kam uns langsam der Gedanke, dass das bei allem fahrerischen Können und Vorlieben für Herrausforderungen doch knapp werden könnte. Wir, und damit meine ich Danni, griffen also zum Handy und versuchten das Hotel anzurufen… allerdings war durchgängig niemand zu erreichen.
Wenn man also in einer auswegslosen Situation ist, ist wenigstens immer auf einen verlass… Ronald. Wir fuhren also bei der nächsten Gelegenheit ab und gingen zu McDonaldˋs… denn wie jeder wissen sollte, bei McDonaldˋs gibt es weltweit kostenloses WLAN. Wir schrieben also der Rezeption eine Mail, dass es später werden würden und fuhren von da an bei jeder Möglichkeit zum McDonaldˋs, um zu prüfen ob es eine Antwort gab… und davon gibt es verdammt viele Möglichkeiten in den USA… Long story short, letztendlich war alles gar kein Problem und wir haben uns völlig unnötig Sorgen gemacht.
Gegen halb 10 Uhr kamen wir also in der Nacht in Rockaway Beach an und durften eine tolle Unterkunft mit Balkon am Strand beziehen (leider nur für eine kurze Nacht). Am nächsten Morgen ging es dann nach einem kurzen Strandspaziergang weiter auf dem Highway 101. Bei unserer Abfahrt entdeckten wir zufälligerweise noch den Oregon Coast Scenic Rail, eine originale fahrtüchtige Dampflock.
Nächster bekannter Zwischenstop am Highway war die Tillamook Cheese Factory in (wer hätte das erwarten können) Tillamook. Hier wird angeblich weltberühmter Käse hergestellt… kann man mal essen, man hat aber nicht umbedingt ein Highlight verpasst… meiner Meinung nach. Viel ansehnlicher fand ich die „Morning Star“, das Schaff, was das Logo der Käsefabrik ziehrt ist in Lebensgröße vor dem Fabrikgelände aufgebaut.
Mehr zufällig stießen wir dann auf dem Weg auf Big Spruce, einen Sitka Spruce Baum, der 2008 zum größten Baum seiner Art in Oregon erklärt wurde. Er ist etwa 750 bis 800 Jahre alt und naja… riesig.
Weiter ging es dann gewollt zu seinem „Bruder“ den Octopus Tree. Der Name ist Programm. Dieser Baum glänzt weniger durch seine Höhe, sondern mehr durch seine ausladenden Äste. Zu finden ist er am Cape Meares, wo sich auch der gleichnamige Leuchtturm befindet, den wir natürlich auch noch besichtigt haben.
Unsere Mittagspause legten wir dann am Cape Lookout State Park ein. Nach einem ausgedehnten Strandspaziergang ließen wir uns zum Mittagessen auf einer Bank am Waldrand nieder. Was dann passierte kann man am besten mit den Szenen des Killerkanienchens aus „Die Ritter der Kokusnus“ vergleichen. Ein Eichhörnchen näherte sich immer wieder auf terroristische Art und Weise der Futterstelle der Gruppe, sodass einzelne Gruppenmitglieder schon Angst haben mussten angefallen zu werden. Scheu und Angst schienen dem Tier fremd zu sein, die Neugierde übernahm die Kontrolle. Uns blieb wenig anderes übrig, als nach einem zügigen Mahl den taktischen Rückzug anzutreten, um sich aus dem Gefahrenherd zu entfernen.
Bei einem kleinen Fotostop entlang der Straße hatten wir dann später am Tag riesiges Glück und konnten zufällig beobachten, wie sich in der Bucht unter uns ein Wal vergnügte. Genauer gesagt ein Grauwal (das schlossen wir mal daraus, dass diese Küstenregion bekannt für Grauwale ist).
Am nächsten Tag ging es dann laut Reiseführer auf einen der schönsten Streckenabschnitte vom Highway 101. Leider hatten wir diesmal das Pech, dass der Nebel direkt an den Buchten hing und die Aussicht daher stark eingeschränkt war. Trotzdem machten wir halt am Seal Rock, dem Devils Churn und dem Cape Perpetua.
Ein längerer Halt wurde erst wieder am Cape Arago State Park gemacht. Von seinen Viewpoints aus hat man einen fantastischen Blick über eine atemberaubende Bucht und die sich tummelden Seelöwen.
Geschlafen wurde in dieser Nacht in Fort Dick (kein Scherz). Unsere AirBnB-Hosts waren nicht zu Hause und so waren wir alleine auf unserer kleinen Farm. Denn hinter dem Haus wohnten neben ein paar Hasen und Hühnern auch drei Ziegen mit Ziegenbock.
Am nächsten Morgen ging es dann wieder früh weiter. Motto des Tages war: Höher, breiter, größer. Es ging zu den Redwood-Bäumen. Erster Halt war der Jedediah Smith Redwoods State Park. Alleine schon die Fahrt mit dem Auto auf der schmalen Straße durch diesen Wald voller riesiger Bäume ließ einen ehrfürchtig werden. Beim Spaziergang durch den Stout Memorial Grove wurden einem die Dimensionen dann noch wahrhaftiger. Wir fühlen uns ein wenig wie in einem Land vor unserer Zeit… wenn da nicht die ganzen Touristen wären…
Da wir noch eine etwas längere Wanderung machen wollten, fuhren wir weiter zum Prairie Creek Redwoods State Park. Wir schlugen den Weg ein zu einer 3-4 stündigen Wanderung, der aus drei Streckenabschnitten besteht und tief in den Wald hinein führt. Als wir den mittleren Streckenabschnitt erreichten, strahlte uns Schild entgegen, auf dem stand, dass der Abschnitt auf Grund von Brückenschäden geschlossen sei… na danke… ein Hinweis am Start der Strecke wäre nett gewesen. Verantwortungsbewusst wie wir nun mal so sind, drehten wir also um und gingen zurück zum Auto gingen wir einfach weiter. Wir mussten auf dem Weg über einige umgestürzte Bäume hinweg klettern oder darunter hindurch krabbeln, bis wir schließlich zu der Stelle mit einer komplett zerstörten Brücke kamen… wie unerwartet. Was also tun? …Wir lösten dieses enorme Problem, indem wir einfach durch den 1m tiefen und langen Graben gingen, den die Brücke eigentlich überspannen sollte…
Bevor es dann weiter zu unserem Nachtlager in Eureka ging, machten wir noch einen kurzen Zwischenstop beim Big Tree. Dieser beeindruckende Baum hat eine Höhe von 87,2m und einen Umfang von 22,7m.
Vor dem Schlafengehen legten wir uns für den nächsten Tag noch die zerissenen Jeans zurecht… die große Stadt erwartet uns.