Unser dritter und auch schon letzter Stop in Kambodscha war in der heutigen Hauptstadt Phnom Penh. Nachdem Angkor 1431 von den Thai erobert wurde, wurde die Hauptstadt von dort wegverlegt und landete nach ein paar kleinen Zwischenschritten in Phnom Penh. Heute ist Phnom Penh mit 1,5 Millionen Einwohnern auch die bevölkerungsreichste Stadt des Landes.
Nachdem wir in den letzen Wochen sehr viele und vor allem sehr lange Bustouren hinter uns hatte und uns gelinde gesagt so langsam der Ar*** doch recht weh tat, haben wir uns am ersten Tag daran gemacht, die Stadt etwas zu Fuß zu erkunden… der einzige Nachteil den man hat, wenn man zu Fuß unterwegs ist ist, dass man ständig gefragt wird, ob man ein Tuk-Tuk haben möchte. Laufende Weiße passen hier einfach nicht ins Stadtbild…
Von unserem sehr zentral gelegenen Hotel ging es nach dem Ausschlafen also zuerst zum Independence Monument. Dieses Monument wurde 1958 erbaut, um die Unabghängigkeit von den Franzosen zu feiern. Es wurde dem zentralen Turm von Angkor Wat nachempfunden.
Anschließend begaben wir uns dann erstmal zur Innenstadt um mein neu erworbenes Handy zur Reparatur zu bringen, denn nach zwei Tagen hatte es schon den Geist aufgegeben. Ich scheine wohl die Technikgötter gegen mich aufgebracht zu haben… Inzwischen geht es zwar wieder, aber die dezenten Abstürze hin und wieder weisen wohl eindeutig darauf hin, das die Götter noch nicht zufrieden sind…
Am Nachmittag ging es dann zum Königspalast. In Wirklichkeit ist es aber weit mehr als nur ein Palast, denn auf dem Areal befinden sich neben dem Palast mit den Königsgemächern ein Palast mit Thronraum und viele unterschiedliche Tempel und Stupas im Khmer-Stil. Da der Palast noch immer die Residenz des Königs ist und dieser gerade zu Hause war … und wohl keine Lust auf Touristen im Wohnzimmer hatte… waren viele Bereiche der Anlage unzugänglich.
Auf dem Gelände befindet sich auch die bekannte Silber Pagode, Wat Preah Keo, die im Sonnenlicht silber schimmert. Klingt spektakulärer als es ist… In ihr befindet sich ein Smaragd-Buddha.
Da es inzwischen schon recht spät geworden war, haben wir uns schnell ein Tuk-Tuk zum Zentralmarkt genommen, um dort noch etwas Zeit zu haben bevor er schließt. Der Markt befindet sich in und vor einer großen Kuppelhalle, die angeblich eine der zehn größten Kuppelbauten der Welt ist. Der Markt selber bietet Vielerlei. Von Edelschmuck über Plastikschrott bis hin zu lebenden Krabben und Fisch gibts hier fast alles, was unser Herz nicht begehrt.
Der nächste Tag stand dann ganz im Zeichen der Roten Khmer / Khmer Rouge. Die Roten Khmer sind eine maoistische nationalistische Guerillabewegung, die von 1975 bis 1979 die Macht in Kambodscha übernahmen. Der Name setzt sich zusammen aus der größten kambodschanischen Ethnie, den Khmer, und der für den Kommunismus stehenden Farbe Rot. Der Anführer der Guerilliabewegung, Pol Pot, und seine Gefolgsleute wollten das Land in den Kommunismus überführen. Dazu wurden alle Grundbesitzer enteignet und zu Zwangsarbeit auf den Felder verurteilt. Alle großen Städte wurden geräumt und die Anwohner wurden aufs Land umgesiedelt. Während dieser Deportationen starben schon tausende Kambodschaner an Hunger und Erschöpfung.
Das Reich der Roten Khmer wandelte sich immer mehr in ein Terrorregime und die Roten Khmer betrachteten alle gebildeten Menschen als Feinde des Kommunimus im Land. Über Jahre hinweg wurden Millionen von ihnen in Gefangenenlagern gefoltert und ermordet. Das ging so weit, bis es keine Ärzte mehr im Land gab oder keine Ingeneure und Techniker, so dass Maschienen von Technikern aus dem Ausland repariert werden mussten.
Aus Angst vor Verrätern und vor Machtverluste gerieten mit der Zeit auch immer mehr Anhänger der Roten Khmer unter Verdacht. So sahen sich schnell ehemalige Rote Khmer auf der Seite der Opfer wieder. Insgesamt starben in dieser Zeit laut Schätzungen bis zu 3 von 8 Millionen Khmer.
Die Schreckensherrschaft der Roten Khmer wurde Ende 1978 / Anfang 1979 beendet, als vietnamesische Truppen in Kambodscha einmarschierten, die Regierung stürzten und eine pro-vietnamesische Regierung installierten.
Trotz all dieser Gräultaten wurden die Roten Khmer auch nach 1979 von der UN als rechtmäßige Herrscher anerkannt, darunter auch von Staaten wie der USA und Deutschland. Pol Pot blieb bis 1997 auf freien Fuß und wurde dann erst verhaftet. 1998 starb er auf ungeklärte Weise. Weiteren hochrangigen Roten Khmer wurde erst 2007 der Prozess gemacht und sie wurden wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu 35 Jahren Haft verurteilt.
Ich hoffe ich bin nun nicht zu sehr abgeschweift, aber so lässt es sich hoffentlich besser verstehen, welche Orte wir besucht haben.
Zuerst waren wir an diesem Tag nämlich beim Choeung Ek Genocidal Center, besser bekannt unter dem Namen Killing Fields. Das Areal ist ein Mahnmal für die Verbrechen des Krieges. Zur Zeit der Roten Khmer war an dieser Stelle ein kleines Lager zu dem Gefangene transportiert wurden, aus denen man ein (falsches) Geständnis herausgefoltert hatte. Hier wurden die Gefangenen dann hingerichtet. Um Munition zu sparen wurden sie knieend am Rande eines Massengrabes erschlagen oder erstochen und dann hineingestoßen. Bis zu 20.000 Menschen wurden so auf diese Art und Weise ermordet. Unter ihnen auch unzählige Kinder und Säuglinge. (Damit sich später niemand rächen konnte, wurde von den’Schuldigen‘ sicherheitshalber gleich die ganze Familie ermordet.)
Noch heute befinden sich auf dem Areal unzählige unausgehobene Massengräber, da es einfach zu viele waren, um alle zu öffnen. Über die Jahre hinweg wurden tausende Leichnahme obduziert und ihre Todesursachen festgestellt. Tausende dieser Schädel sind als Mahnmal in einer Stupa in der Mitte des Areas aufgebarrt.
Nach den Killing Fields fuhren wir mit dem Tuk-Tuk weiter zum Tuol Sleng Genocide Museum, besser bekannt als das Strafgefangenenlager S-21. 1975 wurde die damalige Tuol Svay Piey High School in ein Gefängnis umgebaut und der hochrangige Rote Khmer Kaing Guek Eav genannt „Duch“ als Leiter installiert.
Auf brutalste und unwürdigste Art und Weise wurden hier in der Zeit der Roten Khmer mehr als 17.000 Menschen gefangen gehalten und gefoltert. Über die Verhöre wurde genaustens Buch geführt und es war sehr wichtig, dass in diesem Lager keine Menschen sterben, denn wer tot war, konnte nichts mehr gestehen. Nachdem die Gefangenen unter Folter gestanden hatten, was auch immer sie gestehen sollten, wurden sie zu den Killing Fields gebracht, um sie dort zu ermorden.
Nach zwei sehr informativen und anstrengenden Besichtigungen (bei beiden Orten gibt es sehr gute deutsche Audioguides!) haben wir dann den Abend noch etwas ruhiger ausklingen lassen.
Zuerst hatten wir noch kurz den Wat Phnom Tempel besichtigt und haben uns dann bei einsetzenden Regen in ein Cafe gerettet. Anschließend ging es abschließend noch zum Nachtmarkt.
Für unseren letzten vollen Tag in Kambodscha hatten wir uns dann noch etwas Lebensfroheres rausgesucht… es ging zur Phnom Tamao Wildlife Sanctuary. Mit dem Tuk-Tuk fuhren wir in das 40km weit entfernte Waldgebiet, das für viele unterschiedliche und teilweise misshandelte Tiere ein neues Zuhause bietet. Am Anfang machten die Gehege leider nicht ganz so einen guten Eindruck, wie wir gehofft hatte, aber je weiter wir in dem großen Park kommen, desto mehr verbessert sich der Eindruck. Bei einigen Tieren steht ihre Lebensgeschichte liebevoll erzählt mit an den Gehegen.
Den Abschluss des Tages und damit auch von Kambodscha macht dann wieder mal ein Markt. Diesmal geht es auf den Russian Market. Auf diesem überdachten, großen und verwinkelten Markt gibt es fast alles zu kaufen… Bohrmaschine, kein Problem… Goldschmuck, nichts leichter als das… seltene Antiquitäten aus Kriegszeiten, klar doch… Größtes Problem ist hier nur den Ausgang wieder zu finden 🙂