Von Siem Reap aus, neben Phnom Penh wohl die bekannste Stadt Kambodschas ist, ging es weiter nach Battambang, die Stadt die fast keiner kennt, die aber die zweitgrößte Kambodschas ist…
Battambang war einst bei den Franzosen hoch im Kurs und so gibt es noch ein paar Sehenswürdigkeiten, die auf den Baustil der Kolonialzeit zurückzuführen sind… Leider ist deren Zahl aber nur noch sehr gering, da die meisten Bauwerke die Zeit des zweiten Indochinakrieges und der Roten Khmer nicht überstanden haben.
Zuerst aber haben wir uns der kulturellen Abendgestaltung gewidmet, bevor es am nächsten Tag zu einer Rundfahrt mit dem Tuk-Tuk gehen sollte.
Vom Hotel aus haben wir uns Karten für einen Artistik-Zirkus gekauft. Der Phare Ponleu Selpak ist eine Einrichtung für benachteiligte und Waisenkinder, die dort sowohl eine schulische als auch eine künstlerische Ausbildung erhalten. Neben malerischen, oder gestaltenden Künsten gibt es dort dann eben auch einen artistischen Ausbildungszweig, bei dem der erfahrenere Nachwuchs seine Kunst und sein Können zur Show stellt.
Eingeleitet wurde der Abend von einem traditionellen Tanz. Anchließend kamen die Artisten auf die Bühne und erzählten mit Witz, Charme und viel Enthusiasmus auf artistische Art und Weise eine kleine Geschichte. Begleitet wurde die ganze Show von einer zwei Personen starken Liveband, die ebenfalls aus Schülern bestand.
Da uns die Schule und die Show so gut gefallen hatte, haben wir sie im Anschluss direkt noch unterstützt, in dem wir sechs von der Schule designte Jonglagebälle gekauft haben.
Am nächsten Tag wollten wir dann mit dem Tuk-Tuk eine kleine Besichtigungstour durch die Umgebung machen. Wir wurden pünktlich von unserem Tuk-Tuk Fahrer Ya-Ya abgeholt und dann ging es los durch die Stadt. Nach fünf Minuten Fahrt hat es allerdings so dermaßen angefangen zu schütten, dass wir uns fluchtartig unterstellen mussten. Da es nach einiger Zeit immer noch nicht so aussah, als würde der Regen demnächst aufhören, fuhr uns Ya-Ya zurück zum Hotel und wir verabredeten uns für den nächsten Tag erneut.
Als der Regen dann am späten Nachmittag aufhörte, nutzen wir die nun entstandene Lücke, uns an einem Asia-Straßenstand neue Handys zu besorgen, nachdem nun unsere beiden alten Handys den Geist aufgegeben hatten… Wir sind nun also stolze Besitzer einer Handymarke, die in Deutschland noch nie jemand gehört hat…
Am nächsten Tag holte uns dann Ya-Ya wieder ab und es ging bei bedektem Himmel los durch die Stadt. Der erste Halt ist das Gouverors Office. Dieses Gebäude ist noch aus der französischen Kolonialzeit vollständig erhalten geblieben, da die Roten Khmer hier Führungstreffen abgehalten haben und später die Instandhaltung von der französischen Regierung finanziert wurde.
Von dort aus liefen wir dann über die erste Brücke Battambangs, die ebenfalls von den Franzosen erbaut wurde. Heute darf die Brücke nicht mehr befahren werden und gilt als Treffpunkt fürs Feierabendbierchen.
Mit dem Tuk-Tuk fuhren wir dann weiter zur Statue von Ta Dambong (Onkel Dambong), dem Volkshelden, dem die Stadt ihren Namen verdankt.
Zu einer Zeit, in der die Khmer noch nicht mit Gewähren kämpften und auf Pferden und Kühen in die Schlacht zogen… so wurde uns erzählt… war der Stock das Verteidigungswerkzeug der Wahl, um das Land gegen die Thais zu schützen. Ein besonders begnadeter Stabkämfper, eben jender Ta Dambong, wurden sogar magische Fähigkeiten nachgesagt. In der Schlacht schleuderte er seinen Stab auf die Gegner und dieser kehrte dann auf magische Weise zu seinem Besitzer zurück, wenn er seinen Gegner getötet hatte. So wurde Ta Dambong zum Helden der Nation und zum Bringer des Friedens. In späteren Jahren kehrte der Stab auf einmal nicht zu seinem Besitzer zurück und ging verloren. Ta Dambong starb mit der Zeit und sein Stab galt immernoch als verloren. Ihm zu Ehren lies der König eine Statue errichten und er gab zudem dem Volk den Befehl, den Stab zu suchen. Bis heute aber bleibt der Stab unentdeckt und so erhielt die Stadt den Namen ‚Lost Stick‘ (Battambang).
Als wir dann von der Statue aus wieder aufbrechen wollten, fing es leider erneut so stark an zu regenen, dass wir die Tour vorerst abbrechen mussten. Wir entschlossen uns im Hotel eine Pause zu machen und dann zwei Stunden später erneut aufzubrechen, sofern der Regen nachlassen sollte.
Wir hatten sozusagen Glück im Unglück und so konnten wir später erneut aufbrechen. Durch die entstandene Zeitverzögerung mussten wir allerdings leider einen Tempel auslassen, den wir gerne gesehen hätten. So ging es dann direkt zu der Killing Cave von Battambang. Während der Zeit der Roten Khmer wurde diese Höhle benutzt, um vermeidlich entlarfte Verräter am Regime zu entsorgen. Massengräber wie dieses gibt es dutzenderweise über das Land verteilt. (Mehr dazu im nächsten Beitrag)
Zur Abenddämmerung kam dann der krönende Abschluss des Tages, die Bat Cave. Von außen sah die Höhle aus wie ein unspektatkulärer Spalt im Fels. Im Inneren konnte man aber schon das Gequike hören und das Gewusel durch den Spalt erkennen. Wie ein Wirbelsturm flogen die Fledermäuse im Kreis und bildeten eine rotierende Säule. Beim Einbruch der Dämmerung begannen sie dann in einem endlosen Strohm die Höhle zu verlassen. Zuerst an der Felswand entlang und dann hinaus auf die offenen Felder. Über 6 Millionen Feldermäuse leben in der Höhle und das Schauspiel der herrausfliegenden Fledermäuse dauerte knapp eine Stunde.
Auf dem Feldern teilten sich die Fledermäuse dann in Gruppen auf und schwärmten aus über das Land. Bei den Reisbauern sind die Fledermäuse übrigens sehr beliebt, weil sie das Ungeziefer von den Reisfelder fressen.