Nach zwei Tagen getrennte Kultur, hieß es für unsere Vierergruppe dann erstmal wieder gemeinsame Natur. Von Lumbini aus ging es früh morgens wieder mit dem Bus weiter nach Sauraha, einem kleinen Touristendorf am Rand des Chitwan National Park.
Der Nationalpark wurde 1973 gegründet, um der Wilderei und der Rodung des Areals Einhalt zu gebieten. Heute erstreckt sich der Nationalpark über 932km² und ist die Heimat von 605 Nashörnern, 120 bengalischen Tigern, Lippenbären, Leoparden, Sambarhirschen und unzähligen anderen Säugern, Reptilien und Vögel. 1984 wurde der Chitwan National Park in die Liste der UNESCO Welterben aufgenommen.
Wie also erkundet man am besten einen Dschungel voller Todbringer und Menschfresser?
Mit dem Jeep? … NEEEIIIIINNN !
Auf dem Rücken eines Elfenten? … NEEEIIIIINNN !
Doch nicht etwa zu Fuß? … DOOOOOOCH!
Aber beginnen wir jenen ereignisreichen Tag von Beginn an. Denn es ist der Tag, auf den alle gewartet haben… bei aller Bescheidenheit. Es ist mein Geburtstag 🙂
Der Tag beginnt mit einer freundigen Überraschung am Frühstückstisch um 6:30 Uhr morgens. Denn wer wilde Tiere sehen will, der muss früh aufstehen. Neben leckerem Frühstück erwarten mich auf dem Frühstückstisch auch zwei tolle Geschenke. Eins aus der Heimat (danke, liebe Mama) und eins der Nähe (danke, liebe Danni) :). Sogar ein kleines Ständchen wird mir gesungen, bei dem sich sogar der Kellner des Hotels dran beteiligt.
Danach werden noch schnell die Sachen gepackt und dann werden wir von zwei Guides abgeholt zur Dschungeltour. Alleine trauen wir uns dann nämlich doch nicht. Aus Sicherheitsgründen gehen die Guides immer zu zweit, um sowohl den Dschungel als auch die Gäste im Blick haben zu können. Das gefährlichste Tier für den Menschen im Park ist hierbei vielleicht etwas unerwartet das Nashorn (Panzernashorn genauer gesagt).
Mit dem Kanu geht es erst einmal knapp eine Stunde auf dem Rapti in Richtung Westen. Der Rapti ist 122km lang und bildet die nördliche Grenze des Nationalparks. Außerdem ist er auch der Lebensraum von Sumpfkrokodilen und Gharialen (eine vom aussterben bedrohte Krokodilart, die über 6m lang werden kann). Bei unserer Kanufahrt haben wir auch zum ersten mal Glück. Neben zahlreichen Vögeln wie Pfauen, Marabus und Eisvögeln sehen wir eines der seltenen Krokodile in einer Stromschnelle treiben.
Am Ziel der Kanutour angekommen werden von unserem Chefguide Ram (so, oder so ähnlich) erstmal ein paar grundlegende Verhaltensregeln erklärt. Von den Tieren Abstand halten und sich unaufmerksam Verhalten. Wenn doch mal ein Tier auf uns aufmerksam werden sollte und sich aggresiv verhalten sollte, dann bei einem Naßhorn im Wald schnell auf einem Baum klettern (mindestens 2,5m hoch, so n Nashorn ist ja kein Zwerg) und in der offenen Steppe zick-zack rennen, jeder in eine andere Richtung, damit das Nashorn einen verfehlt. Bei einem Bären dicht zusammenstellen und sich groß machen. Bei einem Tiger beten. (Ok, Letzteres blieb unausgesprochen.)
Dann ging es los. Auf leisen Sohlen folgten wir unseren vertrauenswürdigen Führeren in die Tiefen des Dschungels hinein. Und es lies auch gar nicht lange auf sich warten, da wurden die beiden schon bei einem kleinen Wasserloch fündig, in dem sich ein Nashorn für sein Mittagsschläfchen zurückgezogen hat.
Und das nächste kleine Hörnchen lies auch nicht lange auf sich warten. Diesmal wurde es heimtückisch beim Grasen von hinten erwischt.
Während wir dann immer weiter und immer tiefer in den Busch stapften oder auch mal einen Bach durchquerten, kam es immer wieder zu Situationen bei denen wir abrupt anhalten und still sein mussten, weil einer der Führer ein Geräusch vernommen oder eine frische Fährte gesehen hatte. Einem Knacken im Unterholz wurde immer schreckhafter gegenüber reagiert. Hinter jedem Geräusch verbarg sich ein potentielles gefährliches Tier. Höhepunkt der Gefahr-Paranoia war, als einer der Führer auf einem Baum stieg, weil er einen Bären in der Nähe gehört hatte und wir mehrere Minuten warten mussten, bis von diesem nichts mehr zu verlauten war.
Neben ettlichen Sambarhirschen konnten wir auch noch eine Bache mit Frischlingen und andere Wildschweine sehen. Außerdem gab es noch unzählige Erdlöcher zu sehen, die von den Lippenbären auf der Suche nach Termiten und anderen Insekten gegraben wurden.
Neben den ganzen Tieren gibt es aber natürlich auch eine besondere Pflanzenwelt im Dschungel und so konnte ich zum ersten mal echte Baumwolle sehen.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit kamen wir dann zurück am Ausgangspunkt wieder an. Zwar haben wir leider/zum Glück keinen bengalischen Tiger gesehen, aber wir hatten trotzdem einem schönen und aufregenden Tag im Dschungel.
Wie es sich für einen anständigen Geburtstag aber gehört war hier natürlich noch nicht Schluss. Zur Feier des Tages luden uns Stephan und Julia auf eine gepflegten Runde Tandoori Naan zum Abendessen ein und anschließend zu einer Shisha zum Ausklang des Abends 🙂 Vielen Dank!
Am nächsten Tag wurde sich dann erst mal entspannt und gebloggt. Pünktlich zur Mittagshitze ging es dann noch etwas Souveniers shoppen und gegen Nachmittag dann gemeinsam zum Elefant Breeding Center. Nach unserer Recherche klang es so, dass die Elefanten dort viel Freiraum hätten und sie gut behandelt würden. Was wir aber leider vorfanden waren viele angekettete Elefanten, weshalb wir uns auch nur sehr kurz dort aufhielten. (Auf dem Weg dorthin trafen wir übrigens die hochnäsigste Kuh Nepals).
Zum Abendessen ging es dann gemeinsam in ein Restaurant unten am Fluss. In den Abendstunden ist der Fluss häufig nicht nur eine Anlaufstätte für durstige Touristen, sondern von der anderen Seite aus auch Anlaufstätte für durstige Dschungelbewohner. Also hatten wir die Hoffnung neben einem leckeren Abendessen auch noch das Eine oder Andere vors Auge zu bekommen.
Als wir dann gerade das Abendessen bestellt hatte wurde es plötzlich unruhig am Ufer. Menschen riefen und rannten zu einem Punkt. Zuerst dachten wir es gab einen Unfall oder Auseinandersetzung, aber dann hörten wir was gerufen wurde: „Tiger, Tiger“. Und so leifen wir auch da hin, wo alle anderen hingerannt waren… Auf der anderen Seite des Flußes (zum Glück) wurde ein Tiger gesichtet. Und nur wenige Augenblicke später konnten wir es auch sehen. In vielleicht 100 bis 200m Entfernung machte sich eine Raubkatze auf den Weg vom Fluß zurück ins Dickicht. Unsere erfahrene Reisefotografin Danni hat diesen extremst seltenen Augenblick blitzschnell mit der Kamera festgehalten. (Selbst unser Rührer vom Vortag (der zufällig auch da war) meinte, er hätte erst vier bis fünf mal einen Tiger gesehen in seinen 13 Jahren als Guide). Jeder war sich sicher, auch nach Sichtung unserers Fotos (für das wir von allen beneidet wurden), dass es sich um einen bengalischen Tiger handelt. Nach weiterer Sichtung des Bildmaterials denken wir allerdings, es war ein Leopard (die es in dem Dschungel wohl noch seltener gibt).