Mardi Himal

Das Abenteuer Trekking durch den Himalaya begann damit, dass wir uns in Pokhara für eine der unzähligen Agenturen entscheiden mussten, die versuchten einem diverse Trekkingtouren aufzuschwatzen. Dabei gingen die Angebote von All-Inklusive (inklusive Wanderpass, Guide, Träger, Unterkunft, Essen und Transport) bis hin zu Guide only. Wir (Stephan, Julia, Danni und ich) entschlossen uns für ein Angebot mit dem Wanderpass und sonst nur dem Guide. Zumindest einen Guide mitzunehmen wird einem doch sehr ans Herz gelegt. Es ist zwar auch möglich ohne Guide zu wandern, aber nicht jeder der sich dafür entscheidet, kann hinterher auch noch von seiner Erfahrung berichten.

Wir haben also einen Guide gebucht, der einfachheitshalber für uns dann auch immer die Unterkunft für die Folgenacht reserviert hat. Die Wahl des Trecks viel auf den Mardi Himal Base Camp Treck, eine Fünftagestour in der Anapurna Region. Ein Wanderweg, der von Kande aus hinauf zum Mardi Himal Base Camp. Den Guide, der für uns ausgewählt wurde, konnten wir dann auch noch am Vorabend treffen, um mit ihm etwas warm zu werden und ihm ein paar Fragen zu stellen.

Tom (so haben wir ihn genannt, sein wahrer Name wird aber wohl für immer ein Mysterium bleiben) ist 29 Jahre alt und schon seit vielen Jahren als Guide im Himalaya unterwegs. Als wir mit ihm zusammen trafen, machte er einen sehr schüchternen Eindruck, sollte dann über den Treck hinweg etwas auftauen.

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Als es zu der Fragestunde kam haben wir dann wohl auch nicht den allerbesten Eindruck hinterlassen. In Flip-Flops und kurzen Hosen stellen wir Fragen zum Treck, zu der benötigten Ausrüstung und wie kalt es oben wohl werden wird. Die Antworten verunsichern uns wohl mindestens genauso wie Tom. Denn als Tom anmerkt, dasss wir normale Schlafsäcke brauchen, können wir nur antworten, dass wir keine haben. Auf die Aussage, dass es recht kalt werden kann und wir dicke Kleidung brauchen, können Stephan und Julia nur müde lächeln. Zuletzt wird uns noch gesagt, dass wir auch Wanderstöcke dabei haben sollten und auch Tom solche zum Wandern auf dem Treck verwendet… haben wir natürlich auch nicht. Zumindest Regenjacken besitzen wir und so können wir doch mit einem überaus positiven Gefühl das Gespräch verlassen.

Am nächsten Morgen zogen wir los mit mehr oder minder leichten Gepäck und dem überheblich unbekümmerten Gemüt dummer deutscher Touristen. Ein Jeep-Taxi fuhr uns und Tom (der zusammen mit dem Gepäck im Kofferraum saß) zusammen zum Startpunkt in Kande. Gefühlte 45 Minuten im Mixer später kamen wir dann dort an und wanderten los.

Erster Tag – Von Kande (1770m) nach Deurali (2100m)

Der erste Abschnitt der Tour wurde eher kurz gehalten, um erst einmal etwas in den Tritt zu kommen und sich ans Wandern zu gewöhnen. Von Kande aus ging es allerdings erst mal einen steilen Hang mit etlichen Stufen bergauf. Dabei musste man dann auch noch aufpassen, beim Überholen nicht den ein oder anderen Chinesen vom Berg zu werfen, denn von Individualtourismus konnte hier nicht die Rede sein. Der Abschnitt gleich zeitweise einer Warteschlange am Postschalter. (Gefühlt) Hunderte Touristen schoben sich den Berg hinauf. Nachdem wir die meisten überholt haben lichtet sich langsam das Feld. Viele der Wanderer scheinen einfach Tagesausflügler zu sein, die nur bis zum ersten oder zweiten Teahouse laufen. Unser Ziel Deurali erreichen wir, dank der kurzen Strecke, schon recht früh. Einquartiert werden wir in der Nice View Lodge. Auf Grund der tief hängenden Wolken und dem ganzen Dunst ist der Name aber leider nicht Programm. Um uns die Zeit bis zum Abendessen zu vertreiben werden kurzerhand die Karten ausgepackt und Stephan und Julia dazu verdonnert Canasta zu lernen.

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Zweiter Tag – Von Deurali (2100m) zum Forest Camp (2520m)

Der zweite Tag startet mit Frühstück um 7 Uhr und dem Abmarsch gegen 8 Uhr. Trotz frühen zu Bett gehens fühlt man sich nur bedingt gut ausgeschlafen und auch die nächsten Tage sollte sich daran nicht sonderlich viel ändern.

Mit deutlich weniger Touristen auf dem Weg ging es weiter. Der Großteil der Strecke führte uns durch einen Rhododendronwald. Leider waren wir für die Rhododendronblüte etwas zu spät und so waren nur noch wenige der Bäume in voller Blütenpracht. Der Weg erweist sich als wenig anspruchsvoll und so erreichen wir auch an diesem Tag schon zur Mittagszeit unser Ziel. Der ein oder andere Magen-Darm-Patient der Gruppe hat dies aber eher wohlwollend zur Kenntnis genommen.

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Dritter Tag – Vom Forest Camp (2520m) zum High Camp ( 3700m)

Eigentlich wollten wir die Nacht des zweiten Tages im Low Camp verbringen, aber es waren keine Zimmer mehr frei. Daher mussten wir wohl oder übel im weiter unten gelegenen Forest Camp schlafen und unseren dritten Tag von dort aus starten. Diese kleine Planänderung führte aber auch dazu, dass wir nun eine Tagesetappe von 1200 Höhenmetern vor uns hatten und wir hatten kleine Bedenken, wie anstrengend es wohl werden würde.

Der Weg selber entpuppt sich aber als deutlich weniger anstrengend als erwartet. Kontinuierlich geht es bei nicht sonderlich hoher Steigung den Berg hinauf. Die Wolken der letzten Tage haben sich leider nicht verflüchtigt und je höher wir steigen, desto tiefer dringen wir in die dicken Wolken ein. Nach einiger Zeit beginnt es dann langsam zu nieseln… kurz später wird es immer heftiger, solange bis aus dem Regen dann ein waschechtes Gewitter geworden ist. Der Wind fegt uns um die Ohren und Blitze erhellen den Himmel.

Vor dem Treck wurde uns glücklicherweise noch gesagt, dass es zu der Jahreszeit bei dem trockenen Wetter keine Blutegel auf dem Weg gibt …naja, trocknes Wetter vorbei… und so müssen wir uns neben Regen und Gewitter auch noch der Blutegel erwehren. Zum Glück haben wir Julia dabei. Sie scheint eine besonders gute Geschmacksrichtung für Blutegel zu haben und so bekommt sie einen großen Teil der niedlichen kleinen Sauger ab. Da wir sie aber alle rechtzeitig bemerkt haben, kann sich jeder seiner Egel entledigen, bevor sie sich richtig festgesaugt haben.

Triefend nass erreichen wir am Nachmittag das High Camp und betreten unter mitleidigen Blicken die durch ein kleines Feuer beheizte Essensstube. Eigentlich alle die vom gleichen Camp wie wir gestartet sind, sind vor uns da… So ein Träger hat wohl eindeutig Vorteile… Wir verbringen als den Rest des Tages wieder damit, Karten zu spielen, uns am Feuer zu wärmen und unsere nassen Kleider zu trocknen, bis es auf einmal unruhig wird im Lager. Der Regen hört auf und der Himmel beginnt aufzureißen und gibt dabei einen wundervollen Blick auf die umliegenden Berge frei. Bei all den dicken Wolken und dem Regen haben wir gar nicht mitbekommen, wie nah wir inzwischen den dicken Bergmassiven des Anapurna Süd und des Machhapuchhre sind. Sehr zufrieden, dass wir endlich für unsere Mühen entlohnt wurden, gingen wir früh zu Bett. Mit Tom haben wir ausgemacht, dass er uns um fünf Uhr morgens weckt, falls der Himmel klar ist und sich ein Aufstieg zum Mardi Himal Viewpoint lohnt.

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Vierter Tag – Vom High Camp (3700m) zum Viewpoint 1(4000+m) und zurück nach Siding (1900m)

Um fünf Uhr morgens klopft es an der Tür… yeah! In den ersten Sonnenerstahlen erscheinen die Berge  vor einem klaren blauen Himmel. Voller Vorfreude ziehen wir uns an (ok, viel mehr anziehen ging nicht, denn in der Nacht wurde es sch**** kalt) und stiefelten hinter Tom her immer weiter den Berg hinauf. Ohne Frühstück merkte man schnell, wie der Aufstieg an die eigenen Kräfte ging und die dünne Bergluft in der Höhe tat ihr übriges. Völlig erschöpft kamen wir dann nach knapp zwei Stunden morgendlichen Wanderns am Viewpoint an. Vor uns erstreckte sich ein Ausblick, der all die Anstrengungen und Bemühungen der letzten Tage vergessen machte. Direkt vor sahen wir die gewaltigen Ausmaße des Anapurna Süd, des Hiunchuli und des Machhapuchhre.

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Anschließend machten wir uns dann an einen gewaltigen Abstieg. Zurerst ging es zurück zum High Camp zum Frühstücken und von dort aus dann runter bis Siding. Insgesamt also mehr als 2000 Höhenmeter Abstieg. Zum ersten mal sind wir so richtig froh, dass uns Tom am zweiten Tag der Wanderschaft local sticks gebastelt hat: Wanderstöcke aus Ästen. Mit schmerzenden Oberschenkeln und Knien erreicht die Gruppe dann am Nachmittag das rettende Hotel. Auf den letzten Metern müssen wir nur noch die Schuhsohle von Julias Wanderstiefel opfern, dafür gibt es dann aber auch warmes Wasser in den Duschen.

 

Fünfter Tag – Von Siding (1900m) nach Lumre (1500m)

An unserem letzten Tag lassen wir es wieder etwas ruhiger angehen. Wir schlafen bis 8 und Frühstücken diesmal vor dem Wandern… Tom hat über Nacht Julias Schuh provisorisch geflickt, so dass die Sohle zumindest 15 Minuten beim Wandern am Schuh gehalten hat, bevor sie wieder fast abgefallen ist. Im langsamen Tempo und mit regelmäßigen Pausen ging es also weiter abwärts bis nach Lumre, einem kleinen Dorf, von wo aus wir zurück nach Pokhara fahren wollten. Ein paar Verhandlungen später ging es dann von dort aus auch mit dem Jeep zur nächsten Bushaltestelle… man möchte es nicht für möglich halten, wie viele Leute in und auch auf so einen Jeep passen. Mit dem Bus und drei mal Umsteigen ging es dann auch sehr gemütlich weiter bis nach Pokhara. An diesem Abend wird der Belohnungsabend eingeführt und wir feiern unsere erfolgreiche Tour im Roadhouse mit leckerer Pizza und kalten Getränken.

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