Mit dem Nachtbus ging es auf zur nächsten Station und diesmal wurden wir richtig überrascht. Der Bus verfügte neben großen, bequemen Sesseln auch richtig viel Beinfreiheit. Als wir den Bus betraten erwartete uns neben einem Multimedia-Gerät wie im Flugzeug auch schon eine Flasche Wasser am Sitz. Bevor die Fahrt dann los ging kam auch noch mal eine Servicekraft und verteilte kalte Getränke und eine Snackbox an jeden. (Gut, ein Energydrink als Freigetränk für einen Nachtbus, der um 10 Uhr abends startet scheint mir jetzt eine gewagte Wahl zu sein, aber der Gedanke zählt!)
Pünktlich gegen 7 Uhr kamen wir dann wie immer sehr erholt und ausgeschlafen in Mandalay am Busbahnhof und etwa 45min später nach harten Taxiverhandlungen am Hotel an.
Da wir natürlich noch viel zu früh zum einchecken waren, ließen wir nur unser Gepäck im Hotel um zum nahegelegen Eingang des Königspalasts zu laufen… nahegelegen sah er zumindest auf der Karte aus… In der Realität stellte sich heraus, dass das Quadrat, was den Königspalast auf der Karte darstellt, in wirklichkeit 2,5km Kantenlänge hat und der Weg locker mal 6km bis zum Eingang war. Bei immer höher steigender Sonne im heißesten Monat Myanmars kein wirkliches Vergnügen. Vor allem nicht, wenn man in der Nacht so gut wie kein Auge zubekommen hat. Aber wer konnte schon ahnen, dass der „Königspalast“ so ein riesiges Areal ist, dass dort quasi eine eigene Stadt drin Platz gefunden hat. Der Mandalay Palace ist dann selbst nur ein kleiner bereich in der Mitte des Areals. Rund 40 Holzhäuser stellen den Palast von 1850 nach und auch hier wird mit Gold eher geklotzt als gekleckert.
Nach einer ausgedehnten Mittagspause im Hotel geht es dann gegen Abend zum Mandalay Hill, um den Sonnenuntergang über der Stadt verfolgen zu können. Da wir etwas zu lange gerastet haben, versuchen wir krampfhaft ein Taxi zu finden, dass uns dort hin bringt, aber das Glück hat uns vorerst verlassen. Schließlich spricht uns ein Mann an, ob wir ein Roller-Taxi brauchen… besser als nichts denken wir und so machen wir uns zu dritt auf einem! Roller auf dem weg. Bequem ist es nicht, schnell auch nicht, aber billig und gerade noch rechtzeitig 🙂 Vor Ort gehts dann mal wieder hunderte Stufen Berg auf bis zu einem halbwegs schönene Aussichtspunkt. Leider ist der Himmel mal wieder etwas diesig und der Sonnenuntergang ist nicht ganz so beeindrucken wie erhofft.
Da wir ja mittags gegammelt haben, muss eben am Abend die verlorene Zeit wieder rein geholt werden. Zu Fuß geht es den Berg wieder hinab und zum zur Kyauktawgyi Paya. Die Pagode erinnert mehr an einen Jahrmarkt, als an einen heiligen Tempel. Lichterketten in allen Farben machen die Nacht zum Tag.
Im Anschluss gehts direkt weiter zur Kuthodaw Paya. Auf dem Weg dort hin finden wir noch einen weiteren namenlosen, aber wunderschön in der Nacht gelegenen Tempel.
In der Kuthodaw Paya Pagode kann man angeblich das größte Buch der Welt finden. Wie genau das definiert wurden konnten wir vor Ort leider nicht herrausfinden … und finden konnten wir das „Buch“ dann irgendwie auch nicht wirklich. Zumindest nichts, was wie ein Buch ausgesehen hätte, aber vielleicht sind wir da auch einfach nicht offen genug.
Danach machen wir uns noch auf den Weg zu einer Monastery, die wir nach etwas Suchen auch finden, aber sie befindet sich unbeleuchtet in einer dunklen Seitengasse, und so entschließen wir uns, den Tag zu beenden… mit einer Fahrt zu dritt auf einem Roller, zurück zum Hotel…
Für den nächsten Tag haben wir uns eine Fahrerin gemietet, die uns zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten der angrenzenden Regionen bringt. Im klimatisierten Auto (yeah!) geht es dann um 8:30 Uhr zuerst zur Mahamuni Pagoda. Die Page ist bekannt für seinen 2000 Jahre alten, 4m hohen, vergoldeten Buddha, der jeden Morgen um 4 Uhr das Gesicht gewaschen bekommt…
Viel interessanter war für uns jedoch das Event, dass wohl zufällig an diesem Tag statt gefunden hat. Hunderte einheimische Familien in Festgewändern und die dazu besonders herausgeputzten Kinder liefen auf dem Gelände herum, beteten und wurden dabei gefilmt und fotografiert. Wie wir unsere Fahrerin zu verstehen glaubten, sind die Kinder wohl Anwärter als Mönche und dies ist der Initiationsrithus.
Im Anschluss machten wir einen Stopp in einer Blattgold Werkstatt. Hier haben wir gezeigt bekommen, wie das Blattgold manuell hergestellt wird, und wie dann einzelne Gegenstände vergoldet werden… eine ganz schön schweißtreibende Angelegenheit.
Danach geht es dann kurz zu einer Seidenweberei. Hier können wir mit ansehen, wie an Webstühlen aus tausenden kleinen Fäden seidene Tücher und Gewänder gefertigt werden. Eine unfassbar filigrane und aufwendige Arbeit. Die Werkstätten sind schön anzusehen, und wir sind froh, dass uns nicht kaffeefahrtmäßig versucht wird Sachen anzudrehen.
Der nächste Stop ist dann die Maha Ganayon Kyaung Monastery. Hier werden wir aus dem Auto heraus gelassen und wissen gar nicht so genau, was wir hier wollen. Uns wir dann aber klar, dass wir quasi hier sind um der Fütterung der Mönche beizuwohnen. Klingt makaber skurril und ist es auch. Um 10:30Uhr kommen alle Mönche der Monastery und stellen sich bei der Essensausgabe an. Jeder hat sein Töpfchen, Teller und Tasse dabei. Umringt werden die armen Mönche von dutzenden schaulustigen Touristen und sehen dabei nicht sonderlich glücklich aus (verständlicherweise).
Danach geht es dann weiter zum „candidate for the world’s largest pile of brick“, wie es der Lonely Planet so schön beschreibt. Die Mingun Paya ist sehr großer, aber nie fertiggestellter Tempel, der durch mehrere Erdbeben etliche große Risse erlitten hat und teilweise eingestürzt ist.
Nicht unweit von dem Tempel entfernt befindet sich die Mingun Bell. Die Glocke wurde 1808 gegossen und ist mit 90 Tonnen die zweitgrößte ungebrochene Glocke der Welt. Sie ist ein drittel so groß wie die größte Glocke der Welt in Moskau, aber 14 mal größer als die Glocke in der St. Pauls Cathedral.
Direkt daneben befindet sich dann noch die Hsinbyume Paya, eine wunderschöne frisch geweißte Pagode, die von vielen kleineren Pagoden ringförmig umgeben wird.
Nach einem kurzen Mittagessen geht es dann weiter nach Inwa. In Inwa werden wir wieder aus dem Auto ausgeladen und überqueren mit dem Boot den Fluß, um zu den Sehenswürdigkeiten zu kommen. Die verschiedenen Tempel und Pagoden sind aber so weit auseinander gelegen, dass man sie nicht zu Fuß abklappern kann… Was für ein Glück, dass auf der anderen Seite des Flusses unzählige Kutscher ihre Dienste anbieten… Mangels Alternativen willigen wir irgendwann ein und mieten uns für zwei Stunden eine Kutsche, die uns zu den verschiedenen Sehenswürdigkeiten bringt.
1. Stopp: Bagaya Monastery
2. Stopp: Yadana Hsemee Pagoda Komplex
3. Watch Tower von Namyin
4. Maha Aungmye Bonzan Monastery
Danach geht es dann wieder mit dem Boot zurück zum Auto und von dort weiter zum Sonnenuntergangsspektakel auf der U Bein Bridge. Die Brücke ist mit knapp 1200 Metern und 1086 Pfosten die längste Teakholzbrücke der Welt. Sie ist 200 Jahre alt, aber Gott sei dank wurden seit dem hin und wieder ein paar Bretter und Pfosten ersetzt. Mit tausenden anderen Touristen drängelt man sich über die Brücke und muss aufpassen nicht heruntergestoßen zu werden, denn Geländer sucht man hier vergeblich. Nach einem kurzen und etwas unspektakulären Sonnenuntergang zieht plötzlich ein starker Wind auf und wir sind froh, es noch rechtzeitig ins Auto zu schaffen, bevor es schlimmer wird.