Da unser Flieger erst am späten Nachmittag in Hanoi landete, blieb uns an diesem Tag nicht mehr viel Zeit. Wir verbrachten also den Rest des Tages damit noch kurz die Umgebung des Hotels zu erkunden und uns für die nächsten zwei Tage eine Tour zur Bai Tu Long Bay zu buchen.
Neben unzähligen kleinen Geschäften war das einzige wirkliche Highlight in der direkten Umgebung, das wir an diesem Abend noch entdecken konnten, die St. Jospeh Cathedral.
Am nächsten Morgen ging es dann einmal mehr recht zeitig los. Diesmal wurden wir sogar schon 10 Minuten vor der eigentlich vereinbarten Zeit abgeholt … yeah, dass passt dann immer besonders gut in die morgendliche knapp kalkulierte Zeitplanung.
Nach unserem Hotel wurden noch ein paar andere Hotels abgeklappert, bis die Reisegruppe vollständig im Bus versammelt war. Dann ging es los zur Bai Tu Long Bay. Auf dem Weg wurde noch kurz bei dem anscheinend obligatorischen Handwerksbetrieb von Agent Orange Opfern gehalten, damit man sich spontan noch einen 2m großen Marmor-Buddha für den Garten kaufen konnte.
Bekannter als die Bai Tu Long Bay und die eigentlich berühmte Bucht im Golf von Tonkin ist die Halong Bay. Beide Buchten liegen direkt nebeneinander und gehen nahtlos ineinander über. Da die Halong Bay inzwischen schon sehr von Touristen überflutet ist, haben uns viele Leute gesagt, dass es schöner ist, die Bai Tu Long Bay zu besuchen. Beide Buchten sollen mehr oder minder gleich aussehen und kaum zu unterscheiden sein. Die Attraktionen der Buchten sind die tausende aus dem Meer ragenden Kalsteinformationen. „Der Legende nach entstand die Bucht durch einen Drachen, der nahe am Meer in den Bergen lebte. Als er zur Küste lief, zog er mit seinem Schwanz tiefe Furchen in das Land, das vom Meer überflutet wurde, nachdem der Drache ins Wasser abgetaucht war.“
Am Hafen angekommen ging es dann zuerst mit einem kleinen Beiboot hinaus zum Ankerplatz unserer Dschunke. Nach einer kurzen Einweisung und einem Begrüßungstee hatte jeder 7 Minuten Zeit seine Sachen aufs Zimmer zu bringen und dann gab es direkt Mittagessen… wir lieben geplante Touren…
Nach einem wirklich sehr reichhaltigen Mittagessen ging es zum ersten Programmpunkt. Unser Schiff hatte inzwischen ein gutes Stück in der Bucht zurück gelegt und so erreichten wir den Rand eines „Floating Village“. Hier wurden wir wieder mit dem Beiboot abgesetzt und dann ging es im Zweierkajak weiter. Da wir ein bisschen Schiss hatten zu kentern oder Ähnliches hatten wir den Fotoapparat sicherheitshalber nicht mitgenommen. Unsere Wasserdichte Kamera war leider aus unerfindlichen Gründen leer gewesen 🙁 Das „Floating Village“ bestand aus ein paar auf Stelzen gebauten Häusern, die teilweise mit Stegen dazwischen verbunden war. Besonders viel gab es aber nicht zu sehen.
Anschließend ging es in die direkt daneben gelegene Perlenfarm. Von einer sehr motivierten Perlenherstellungsfachangestellten wurde uns erklärt, wie sie einen Fremdkörper in die Auster einführen, die dann von dieser in bestimmten Zeiträumen zu unterschiedlichen Perlen verarbeitet wird. Ganz zufällig gab es dann nebenan noch einen riesigen Verkaufsraum, in dem man alles Mögliche mit Perlen kaufen konnte.
Danach ging es dann, strickt nach Zeitplan, für eine Stunde zum entspannen an den Touristrand,
Pünktlich zum Sonnenuntergang ging es dann zurück aufs Schiff. Nachdem uns etwas Zeit für den Sonnenuntergang eingeräumt wurde gab es dann Abendessen. Und wieder war das Essen mehr als reichhaltig und es hat uns in der Seele weh getan, dass anschließend so viele Reste einfach weggeworfen wurden.
Nach dem Abendessen gab es dann Freizeit und wer wollte durfte sich im Tintenfischangeln versuchen. Der Großteil der Gruppe hat dies auch wahrgenommen und es wurden sogar drei Tintenfische gefangen. Unser größter Erfolg war das Fangen des Ankerseils…
Tags drauf starteten wir dann pünktlich mit Frühstück um 7 Uhr. Wir sind ja schließlich nicht zum Spaß hier. Nach dem Frühstück ging es dann zackig zur Thien Canh Son Cave, eine natürlich entstandene Tropfsteinhöhle in einer der vielen Kalksteinformationen. Die Höhle war schön anzusehen, war aber leider ein wenig überlaufen gewesen.
Als nächstes stand dann ein kleiner Kochkurs auf dem Programm, bei dem uns gezeigt wurde wie Frühlingsrollen gemacht werden. Der Kurs dauerte in etwa 10 Minuten… Auf dem Tisch stand eine Schale mit verschiedenen Zutaten (Fleisch, Reisnudeln, Karotten, Pilze, etc. ) und unser Guide sagte kurz, was was ist. Dann hat er alles miteinander vermengt, ein Reispapier genommen, einen Löffel der Mischung darauf getan, das Reispapier zusammengefaltet und fertig war die Frühlingsrolle. Dann durfte jeder von uns noch einmal das Reispapier zusammenrollen und fertig war der Kochkurs.
Zum Mittagessen gab es dann unter anderem … Überraschng … Frühlingsrollen und direkt nach dem Essen wurden wir dann wieder am Hafen abgesetzt. Von dort aus ging es dann wieder mit dem Bus zurück nach Hanoi… Auch wenn die Tour sehr touristisch straff organisiert war, hatten wir viel Spaß und haben auf dem Schiff nette Leute kennen gelernt.
In Hanoi angekommen hatten wir erst einmal die eingetroffenen Regenfälle im Hotelzimmer ausgesessen, bevor wir uns in unseren Regencapes auf den Nachtmarkt getraut haben. Dort gab es dann leider nicht viel Schönes zu sehen. Hauptsächlich wurden dort billige Klamotten und Plastikkrams an den Tourist gebracht. Um so glücklicher waren wir dann, als wir den Abend in einem schönen, kleinen und besonders leckeren Straßenrestaurant ausklingen lassen konnten.
Am nächsten Morgen starteten wir dann unseren One Day Hanoi Sightseeing Marathon. Den Anfang machte Onkel Ho. Genauer gesagt, es ging zum Mausoleum von Ho Chi Minh. Seit 1975 wird hier der balsamierte Leichnam des berühmten Revolutionärs und Politikers aufgebahrt. Schon außerhalb des Areals müssen wir uns anstellen und es dauert mindestens 30 Minuten in sengender Hitze, bis wir die Sicherheitsschranken am Eingang erreichen. Und mit Eingang meine ich nur den Eingang zum eingezeugten Hof. Von da aus sind es dann noch mindestens 500m Schlange zum anstehen, gütigerweise aber diesmal überdacht zum Schutz vor der Sonne. Ehrengardisten patroulieren über das Gelände und lassen keinen Zweifel an der Bedeutung dieser Anlage.
Nach insgesamt 1,5 Stunden Anstehen erreichen wir dann die Pforte des Mausoleums. Die Ehrengardisten haben im Blick, dass sich ja keiner traut ein Foto im Inneren des Mausoleums zu machen. Gleichzeitig schieben sie einen am Arm weiter, damit man auf keinen Fall stehen bleibt. Das ganze Schauspiel dauert dann letztendlich etwa 20 Sekunden, um von der Eingangstür des Raumes, in dem Ho Chi Minh liegt, zur Ausgangstür zu gelangen. Alles was man realistisch zu sehen bekommt ist ein alter Mann, der aus Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett geklaut worden sein könnte in einem gläsernen Kasten umringt von vier Ehrengardisten… Muss man einfach erlebt haben!
Der nächste Stop im Marathon war am Temple of Literature. Einst war dieser Tempel die erste Universität in Hanoi, an der selbstverständlich nur Adelige studieren durften. Heute erinnert er eher an eine schöne Parkanlage mit einem typisch chinesischen Tempel.
Danach spazierten wir durch die Stadt bis wir zum Hoam Kiem Lake gelangten und ihn umrundeten. Zu unserem Glück werden seit einiger Zeit am Wochenende die Straßen um den See gesperrt und sind nur für Fußgänger passierbar. So eine idyllische Stille wie hier am See hatten wir schon lange nicht mehr in einer Stadt.
Auf einer kleinen Insel im See gelegen ist der Ngoe Son Temple. Einer Legende zufolge hat eine magische Schildkröte aus diesem See ein Schwert an die Vietnamesen überreicht, mit dem sie sich gegen die Chinesen verteidigen konnten. Daher wird der See auch ‚See des Schwertes‘ genannt und im Ngoe Son Temple wird eine große mumifizierte Schildkröte ausgestellt.
Da wir an unserem ersten Abend in Hanoi die St. Joseph’s Cathedral nur von außen sehen konnten entschlossen wir uns als nächstes noch einmal dort hin zu gehen und sie auch von innen zu betrachten. Vorbild dieser Kathedrale ist nichts Geringeres als Notre Dame.
Den krönenden Abschluss des geplanten Tages machte das Wassertheater. Mit Livemusik und Livevertonung wird ein Puppentheater auf einer Bühne aus Wasser vorgeführt. Der Handlung des Stücks konnten wir leider nur bedingt folgen. Zum einen war der Text auf vietnamesisch, zum Anderen hatte man das Gefühl der Drehbuchautor hatte schon den einen oder anderen Reisschnaps intus.
Auf dem Heimweg zum Hotel trafen wir dann noch einige vietnamesische Studenten, mit denen wir uns länger nett unterhalten haben. Es scheint bei den Studenten in Hanoi üblich zu sein, öfter mal abends an den See zu gehen um dort mit ausländischen Touristen ihre Englischkenntnisse zu vertiefen.
Am nächsten Morgen haben wir dann noch ganz entspannt in einem kleinen Straßencafe am See den typischen Egg-Coffee und einen Coconut-Coffee getestet, bevor es für uns erneut zum Flughafen ging, um uns den nächsten Stempel im Pass abzuholen.